Tycho Barth, Singer-Songwriter aus Hannover, aufgewachsen zwischen New York, China und Norddeutschland. Musikstudium in Leeds, benannt nach seinem Urgroßvater von der Nordseeinsel Amrum. Ein Gespräch über ein Leben, das sich alle paar Jahre neu erfand – und wie aus der Not, ständig ohne Band dazustehen, seine eigene Handschrift wurde.
Interview-Highlights
Ein Singer-Songwriter, der das Reisen als Kind mit den Eltern erlebte und nach dem Abitur selbst fortsetzte – New York, Shanghai (ab dem vierten Lebensjahr, mit dem Bus „durch den Dschungel“ zur Schule), Norddeutschland.
Weil er immer auf Englisch schrieb, studierte er bewusst in einem englischsprachigen Land, damit die Sprache „authentisch“ sitzt. Und trotzdem: er beneide Menschen mit festem Herkunftsort ein wenig – „man hat dann immer noch die Wurzeln“. Er selbst schaffe sich stattdessen überall ein neues Zuhause. Seit zehn Jahren nun in Hannover.
Ich bin Idealist, ich bin Künstler, ich bin ein bisschen Sand im Getriebe irgendwie, was die Entwicklung in die Zukunft angeht.
Tycho steigt bewusst aus dem Streaming-Rennen aus „Es rechnet sich nicht mehr“. Er sieht sich als Idealist, „Sand im Getriebe“. Statt Reichweite zählt für ihn die Qualität der Bindung: „Für mich geht es nicht um die Quantität der Leute, die ich erreiche, sondern um die Qualität der Bindung zum Einzelnen.“ Er vermisst den Sammler-Aspekt von Musik. Sein Coup: Kassetten – er kauft günstig Kassettenspieler, um „den Markt zu sättigen“ und anderen Kassetten-Bands zu helfen. Lieber 2 € an einer Kassette verdienen und echte Fan-Bindung als Streaming-Centbeträge.
Sein Leitsatz: „Die fundamentale Herausforderung ist, dass man jeden Song auch alleine auf der Akustikgitarre spielen kann.“ Er sieht in der Limitation der Werkzeuge das kreative Potenzial. Die Geschichte dahinter: Weil er alle drei Jahre umzog, konnte er nie eine Band aufbauen – er war gezwungen, allein zu spielen, hat es lange gehasst, bis er merkte: „Die Schwere des Ganzen ist eigentlich das Besondere daran.“ Als er das annahm, „war die Reibung weg“.
Ich sehe in der Limitation meiner Werkzeuge im Grunde das Potenzial für die erhöhte kreative Qualität.
Ihr habt oben die Kurzfassung gelesen – aber das ganze Gespräch lohnt sich. Idealismus im Streaming-Zeitalter, die Kunst des Alleinspielens und ein historischer Live-Moment bei uns im Studio: Tycho Barth am Stück, rund 30 Minuten. Welt aus, Ohren auf! Tycho hatte noch jede Menge zu erzählen. Das ganze Gespräch, rund 30 Minuten, gibt’s hier am Stück. Viel Spaß!
Song-Tipps
Funky Brother: Das Riff stammt vom Hannoveraner Multi-Instrumentalisten Olli Wissing, der es als Instrumental veröffentlicht hatte. Tycho fragte, ob er es nutzen dürfe; man wollte gemeinsam weiterschreiben. Aber Olli tauchte nicht auf – also machte Tycho allein weiter. Aufgenommen im Wohnzimmer mit Freundin und Sohn: ein Mikro im Raum, Limo, die Stimmen so oft übereinandergelegt, bis aus dreien „sechs, neun … eine halbwegs vernünftige Crowd“ wurde – für den „Live-in-einer-Bar“-Vibe.
Smoke & Shadows: deutlich nachdenklicher. Tycho zeichnet hier Bilder von der Suche nach Klarheit zwischen Rauch und Schatten. Steht stellvertretend für die Suche nach dem eigentlichen Sinn und zweck hinter seinen Tätigkeiten. Wofür macht man das ganze eigentlich? Ein Song mit therapeutischer Kraft.
Funkhaus-Konzert
Zum Abschluss dann die Premiere: Tycho spielte live im Studio – nur Stimme und Akustikgitarre. Das erste Mal überhaupt Live-Musik bei Radio Six String, und Tycho zugleich der erste Gast des neuen Formats. Falls es diese Sendung in zehn Jahren noch gibt: Tycho war der Erste.
Insgesamt entstanden drei Live-Aufnahmen bei uns im Studio – eine findet ihr direkt hier, die beiden anderen warten auf euch auf unseren Social-Media-Kanälen. Reinschauen lohnt sich!