The Six String Six


Jede Sendung öffnen wir mit sechs Songs in der ersten Stunde – mal Klassiker, mal Geheimtipp, mal ein Stück, das ihr danach nicht mehr aus dem Kopf bekommt. The Six String Six ist unser Rückblick darauf: die sechs Songs des Abends, mit den Geschichten dahinter, den Fakten, die kein Algorithmus liefert, und den Fundstücken, die es nur bei Radio Six String gibt.


Die Playlist vom 14.10.2026

Wo fängt Zuhause an? Sechs Songs von Leuten, die woanders herkommen, als sie gerade sind. Den Anfang machte ein Amerikaner in England: Jalen Ngonda, Jahrgang 1994 und aufgewachsen in Maryland. Mit 19 ging er mit einem One-Way-Ticket ans LIPA nach Liverpool, die Schule, die Paul McCartney mitgegründet hat. Heute veröffentlicht er bei Daptone Records, dem Label von Sharon Jones & the Dap-Kings. „Just As Long As We’re Together“ hat er bei einem Besuch im Elternhaus geschrieben, Heimweh in schön.

Just As Long As We’re Together

Jalen Ngonda

Manche reisen um die ganze Welt, um dort anzukommen, wo die eigene Klangfarbe ihren Ursprung hat. Chris Kläfford stammt aus Ramsberg in Mittelschweden, hat die Fernsehshow „Idol“ in Schweden gewonnen und es bei „America’s Got Talent“ bis ins Halbfinale geschafft. Sein Album „What I’m Running From“ hat er in zwei intensiven Wochen in Nashville live eingespielt. „Moonshine“ ist Track zwei der Show und entführt uns ins weit entfernte und doch so liebgewonnene Nashville – zumindest musikalisch.

Moonshine

Chris Kläfford

Es hat bis Song drei gedauert, doch dann stand der Verstärker wieder auf Eleven. Jayler sind vier Musiker aus den West Midlands. Sie singen von einem Flussboot auf dem Mississippi, aufgenommen haben sie den Song aber live in den Vada Studios, einer umgebauten Kapelle von 1260. Ihr Debütalbum „Voices Unheard” ist erst im Mai erschienen, wir befinden uns also mitten in unserem geliebten Geheimtipp-Territorium. Achtung: brandheiß!

Riverboat Queen

Jayler

Zuhause ist nicht immer ein Ort, manchmal ist es eine Gemeinschaft. Wenn die sich zerstreitet, schreibt die Bluesszene einen Song. Shemekia Copeland, die gekrönte Queen of the Blues, hat ihn mit Kenny Wayne Shepherd an der Gitarre, Robert Randolph an der Sacred-Steel-Gitarre und Tony Coleman am Schlagzeug eingespielt. Coleman hat schon für B.B. King, Etta James und Buddy Guy getrommelt. Alle Erlöse von „Hit ‚Em Back“ gingen an die Music Maker Relief Foundation, die Musiker:innen aus dem Süden der USA unterstützt.

Hit ‚Em Back

Shemekia Copeland feat. Kenny Wayne Shepherd, Robert Randolph & Tony Coleman

Raus aus Kalifornien, rein in eine über hundert Jahre alte Hütte in der Hochwüste von Oregon: Spirit Mother haben ihr drittes Album „Thistle“ selbst geschrieben, selbst aufgenommen und selbst produziert, auf dem Dachboden. Dabei sind Fuzz, Grunge und Americana-Melancholie und, eher selten in einer Stonerband, zwei Geigen.

Narrows

Spirit Mother

Zum Abspann noch einmal um die halbe Welt: Joel Havea wurde in Tonga geboren und ist in Melbourne aufgewachsen. Er war erst Ingenieur, dann Weltreisender, und hat gut zwölf Jahre in Hamburg gelebt. Sein Album „Ki ‚a Lavaka“ heißt nach einem traditionellen offenen Gitarren-Tuning aus Tonga. Die Botschaft von „Just People“ ist simpel: Wir sind alle nur Menschen. Manchmal ist Zuhause genau da, wo man losgefahren ist.

Just People

Joel Havea

Maryland, Ramsberg, Nashville, eine Kapelle in den Midlands, die Wüste von Oregon und einmal Tonga–Melbourne–Hamburg und zurück: Diese Stunde hatte mehr Meilen auf dem Tacho als jeder Tourbus. Danach ging es nur noch ein paar Kilometer weiter, nach Langenhagen, zu den GODOTS. Ihre Geschichte gibt’s hier.

Bild: Die Six String Six vom 14.10.2026 - mit Jalen Ngonda, Chris Kläfford und mehr!

Die Playlist vom 23.09.2026

Ein festes Motto gab es an diesem Abend nicht. Wenn man eins suchen müsste, dann waren wir so lange unterwegs, bis ein Licht durchkommt. Los ging’s mit BROS, das Vintage-Funk-Nebenprojekt der kanadischen Brüder Ewan und Shamus Currie (besser bekannt von ihrer Hauptband The Sheepdogs). Ein passender Opener: Die Sheepdogs selbst waren einst hoch verschuldet und kurz vorm Aufgeben, bis ihr Demo 2011 einen Rolling-Stone-Leser-Contest gewann und sie als erste Band ohne Major Label aufs Cover des Magazins kamen – vom Bankrott aufs Cover.

Never Gonna Stop

BROS

Wir reisen von Kanada nach England: PJ Harvey mit „A Perfect Day Elise“, fast auf den Tag genau 28 Jahre vor dieser Sendung erschienen. Kein Liebeslied, auch wenn es so klingt. Im Text verstecken sich Bilder aus J. D. Salingers Kurzgeschichte „A Perfect Day for Bananafish“, bei Salinger Zimmer 507, bei Harvey 509. Dazu die einzige Künstlerin, die den Mercury Prize zweimal gewonnen hat, und eine Anekdote, die Nick Cave selbst erzählt: wie er auf dem Boden seiner Wohnung in Notting Hill saß, als Harveys Anruf die Trennung brachte – und wie er vor Schreck fast sein Heroin-Besteck verlor. Wirklich so passiert, kann man auf seiner Website nachlesen.

A Perfect Day Elise

PJ Harvey

Weiter zu einer Künstlerin, die die meisten heute zum ersten Mal gehört haben: Lydia Von Hof aus Long Island. Belmont-University-Songwriting-Alumna aus Nashville, mit „On My Way There“ – ein Queer-Country-Anthem, das gleich doppelt zum Motto passt: unterwegs zu einem Ort, an dem man einfach sein darf.

On My Way There

Lydia von Hof

Mit Eddie 9V drehen wir den Verstärker noch einmal auf 11. Bürgerliche Name Brooks Mason, aus der Nähe von Atlanta. Produziert von Dan Auerbach im Easy Eye Sound Studio, Vorbote seines kommenden Albums „Down Here“. Hart groovender Freddie-King-Style-Blues, und eine Gitarrengeschichte obendrauf: Eddie 9Vs erster Held war der jung verstorbene Atlanta-Bluesgitarrist Sean Costello – ein Freund aus dessen Band schenkte ihm eine von Costellos Gibson, die er bis heute jeden Abend auf der Bühne spielt.

Whole Lot Coming For You

Eddie 9V

Nach dem Sturm der Wind: Radium Dolls aus Brisbane, Australien, mit „The Wind“, featuring Tess O’Reilly – eine Band, die hier kaum jemand kennt, aber zuhause die Läden vollmacht. Der Anlass für einen kleinen Exkurs, warum aus Australien so unverschämt viel geradlinige Rockmusik kommt.

The Wind

Radium Dolls & Tess O’Reilly

Und dann kam der Abspann: Lera Lynn mit „A Light Comes Through“ – einen Song, den sie ganz allein geschrieben, produziert und eingespielt hat, heimlich im Schlafzimmer ihres Hauses in Nashville. Aufgenommen vor der Pandemie, in selbstgewählter Isolation – veröffentlicht in eine Welt, die plötzlich genauso isoliert lebte. Vielen bekannt als die schweigsame Bar-Sängerin aus „True Detective“, Staffel 2.

A Light Comes Through

Lera Lynn

Und damit schloss sich der Kreis: losgezogen mit einer Band, die nie anhält, angekommen bei einem Licht, das durchkommt. Am Ende stand die Tür zur Zugabe schon offen – für Isabelle Gebhardt, Sängerin, Komponistin und Vocal-Coachin aus Hannover. Aber das ist eine andere Stunde. Mehr dazu erfahrt Ihr hier.


Die Playlist vom 09.09.2026

Die Frage über allem an diesem Abend: Wohin mit einer Welt, die bröckelt? Die erste Antwort lieferte der Atlas-Mythos – irgendwer muss die Welt ja tragen – und mit ihm The Dip und ihr erhebender Bläser-Soul „Atlas“, sieben Leute aus Seattle.

What´s This World Comin To

Chicago

Von dort ging es in eine kleine Liebeserklärung ans nächtliche Radio (Toms lange Rückfahrt nach einem Konzert in Emden, im Autoradio Live-Mitschnitte) und zur charmanten Gründungsgeschichte der Band: zwei WGs von Jazz-Studenten, die sich über die Gasse hinweg zusammentaten, weil sie auf Partys endlich etwas Tanzbares haben wollten.

Atlas

The Dip

Zurück in der Blueswelt dann Danielle Nicole & Luther Dickinson mit „Take Me Back“ – und eine dieser Verkettungen, für die Ole lebt: Luthers Vater Jim Dickinson saß einst am Klavier bei „Wild Horses“ von den Stones, weil sich der eigene Pianist an den vielen Mollakkorden störte und Keith Richards ihn kurzerhand aus dem Nebenraum holte. Der Song, live und analog in Kansas City eingespielt, führte zu einem Nachdenken über den Wert des Handgemachten – gerade im Zeitalter von KI.

Take Me Back

Danielle Nicole & Luther Dickinson

Dann in die raue Gegenwart: Whiskerman mit dem endzeitlichen „Lawless“, zurück in einen wilden Westen. Davor das vielleicht schönste Geplänkel der Stunde – Ole gestand, tatsächlich reiten und sogar voltigieren zu können, sehr zu Toms Erstaunen. Zur Musik gehörte ein kleiner Sitar-Exkurs (Beatles, „Paint It Black“, die Yardbirds) und der Hinweis, dass „Lawless“ aus einem Albumzyklus namens „American Hell“ stammt.

Lawless

Whiskerman

Toms zweiter Fund war Feeferella mit „Sheets to the Wind“ – einer Segler-Redewendung fürs Sturzbetrunkensein, also die augenzwinkernde Antwort: lasst euch einfach volllaufen. Die junge Künstlerin hat Social Media verstanden und Tom brachte eine herrliche Anekdote mit: eine Nacht im Gefängnis wegen 10 km/h zu viel, samt Katze, die der Officer mitnahm – der dann tatsächlich nach ihren TikTok-Followern fragte.

Sheets to the Wind

Feeferella

Den Schluss machte King Lazy Eye mit „Prizefighter“ von einem Musiker, der über die Comedy-Bühne kam. Und damit schloss sich der rote Faden: Was macht man mit einer bröckelnden Welt? Man boxt sich durch, steht wieder auf, lässt sich nicht kleinkriegen – und Kunst bringt Menschen zusammen, „mehr zu einem Wir als zu tausend Ich“.

Prizefighter

King Lazy Eye

Am Ende stand die Tür zur Zugabe schon offen, für einen weitgereisten Gast, benannt nach seinem Urgroßvater von der Insel Amrum. Aber das ist eine andere Stunde. Mehr dazu erfahrt Ihr hier.

Bild: Die Radio Six String Six - Die Songs zur Show vom 09.09.2026